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Risikobetrachtung ​

Die Risikobetrachtung ist im Grundschutz++ das Instrument, um zu ermitteln, welchen Risiken die Institution ausgesetzt ist, und diese strukturiert und systematisch zu behandeln. Die Anforderungen dazu finden Sie in der Praktik Risikomanagement (RISK).

Stand der Methodik

Die Risikobetrachtung wird im Grundschutz++ noch ausgearbeitet. Die Pilotierungsfassung legt Mindestkriterien fest, die jede Risikomethodik erfüllen muss. Sie können die Risikomethodik des Grundschutz++ oder eine selbst gewählte Methodik verwenden, die diese Kriterien erfüllt.

Wann ist eine Risikobetrachtung erforderlich? ​

Eine Risikobetrachtung ist insbesondere erforderlich:

  • für Geschäftsprozesse mit hohem Schutzbedarf und die zugehörigen Assets
  • wenn Anforderungen des Anforderungspakets nicht erfüllt werden
  • bei einer Absenkung des Sicherheitsniveaus einer Anforderung von erhöht auf normal-SdT
  • für ergänzende Anforderungen, die auf ein Schadensszenario einzahlen
  • für schwer zuordenbare Assets, für die keine passende Zielobjektkategorie existiert

Die Ergebnisse der Risikobetrachtung werden als zusätzliche Anforderungen in das Anforderungspaket übernommen und im Umsetzungsplan weiterverwendet.

Mindestkriterien ​

Unabhängig von der gewählten Methodik trägt die Institutionsleitung die Gesamtverantwortung und gibt Verfahren, Rollendefinitionen und Risikokriterien frei.

Initiierung des Risikomanagements

  • einheitliches Verfahren für Risikoidentifikation, -bewertung und -behandlung
  • Kriterien für Risikoidentifikation, Risikobewertung und Risikoakzeptanz
  • vergleichbare, nachvollziehbare Ergebnisse bei wiederholter Durchführung
  • festgelegte Rollen, insbesondere Risikoeigentümer
  • Freigabe durch die Institutionsleitung und nachvollziehbare Dokumentation der Verfahren

Risikoidentifikation und -bewertung

  • Risiken für Vertraulichkeit, Integrität und Verfügbarkeit im Geltungsbereich identifizieren
  • jedem Risiko einen Risikoeigentümer zuweisen
  • Folgen und Eintrittswahrscheinlichkeit einschätzen und daraus das Risikoniveau bestimmen
  • Risikoniveau mit den Akzeptanzkriterien vergleichen und Risiken priorisieren
  • Ergebnisse dokumentieren

Risikobehandlung

  • Behandlungsoptionen festlegen (Verringern, Vermeiden, Übertragen, Akzeptieren)
  • erforderliche Sicherheitsmaßnahmen ermitteln, Umsetzungsplanung erstellen und durch die Risikoeigentümer autorisieren lassen
  • Maßnahmen umsetzen, Restrisiken bewerten und durch die Risikoeigentümer akzeptieren lassen
  • Ergebnisse und Entscheidungen dokumentieren

Regelmäßige Überprüfung

Die Risikobetrachtung ist mindestens jährlich sowie bei wesentlichen Änderungen zu überprüfen: Sind neue Risiken entstanden? Treffen die Bewertungen noch zu? Wurden die Maßnahmen umgesetzt? Können die Restrisiken weiterhin akzeptiert werden?

Definitionen ​

Die organisationsweite und für alle Objekte gültige Risikomatrix wird unter Risikodefinitionen definiert. Navigieren Sie dazu im Menü zu Risikodefinitionen und anschließend GSRD. Hier können Sie mit einem Klick auf das Stift-Symbol die Kategorien bearbeiten und an Ihre Risikokriterien anpassen:

  • Eintrittswahrscheinlichkeit: Selten, Mittel, Häufig, Sehr häufig
  • Schadenshöhe: Vernachlässigbar, Begrenzt, Beträchtlich, Existenzbedrohend
  • Risikokategorien: Gering, Mittel, Hoch, Sehr hoch

Die angepassten Definitionen und die Akzeptanzkriterien sind von der Institutionsleitung freizugeben.

Elementare Gefährdungen ​

Die Domäne stellt die 47 elementaren Gefährdungen G 0.1 bis G 0.47 als Szenarien bereit. Jede Anforderung des Katalogs nennt im Feld BSI G0-Gefährdungen die Gefährdungen, denen sie entgegenwirkt. Über dieses Feld erkennen Sie, welche Gefährdungen bei einer nicht erfüllten Anforderung verstärkt wirken.

Wenden Sie die benötigten elementaren Gefährdungen aus dem Katalog an (Elementare Gefährdungen selektieren und Anwenden).

Risiken anlegen ​

Legen Sie für das betroffene Zielobjekt (bzw. den Geschäftsprozess) ein Risiko je relevanter Gefährdung an: Wählen Sie im Objektumfeld des Objekts den Tab Risiken, klicken Sie auf + und wählen Sie die elementaren Gefährdungen aus. Für jede ausgewählte Gefährdung wird ein Risikoobjekt angelegt.

Weisen Sie jedem Risiko einen Risikoeigentümer zu.

Risikobewertung ​

Klicken Sie auf das jeweilige Risiko; es öffnet sich ein Dialog. Bewerten Sie folgende Parameter:

  • Eintrittswahrscheinlichkeit (und gegebenenfalls eine Erklärung)
  • Auswirkung hinsichtlich der Schadenshöhe (und gegebenenfalls eine Erklärung)

Aus diesen beiden Werten wird, nachdem Sie Ihre Eingaben gespeichert haben, automatisch das Bruttorisiko anhand der Risikomatrix berechnet.

Risikobehandlung ​

Je nach Höhe des Risikos kann bzw. muss eine Risikobehandlung vorgenommen und gegebenenfalls eine Erklärung dokumentiert werden. Sie können mehrere Behandlungsoptionen auswählen:

  • Risikoakzeptanz
  • Risikovermeidung
  • Risikoreduktion
  • Risikotransfer

Risikoreduktion ​

Bei gewählter Behandlungsoption Risikoreduktion reduzieren Sie das Risiko durch ergänzende Sicherheitsmaßnahmen. Sie haben zwei Möglichkeiten, mitigierende Maßnahmen zu hinterlegen:

  1. Um eine neue Maßnahme zu erstellen, klicken Sie Mitigierende Maßnahmen hinzufügen und anschließend Mitigierende Maßnahme erstellen. Nachdem Sie Ihre Daten zur Maßnahme gespeichert haben, wird die neue Maßnahme im Risikodialog im Bereich Maßnahmen zur Risikoreduktion angezeigt.

  2. Um bereits vorhandene Maßnahmen zu verknüpfen, klicken Sie Mitigierende Maßnahmen hinzufügen und anschließend Mitigierende Maßnahme verknüpfen. Wählen Sie im Dialog die benötigten Maßnahmen aus und schließen Sie ihn mit Speichern.

Abschließend muss das Nettorisiko (und gegebenenfalls eine Erklärung) manuell gesetzt werden. Speichern und Schließen Sie den Risikodialog.

Übernehmen Sie Maßnahmen, die sich als dauerhafte Sicherheitsvorgaben ergeben, als ergänzende Anforderungen in das Anforderungspaket.

Mitigierende Maßnahmen bearbeiten ​

Um Ihre mitigierenden Maßnahmen zu bearbeiten, klicken Sie Umsetzung anzeigen beim entsprechenden Risiko im Tab Risiken im Objektumfeld des Zielobjektes. Sie gelangen zur Übersicht aller mitigierenden Maßnahmen für das ausgewählte Risiko. Durch Klick auf eine Maßnahme öffnet sich der Umsetzungsdialog, den Sie wie bei den Anforderungen bearbeiten (siehe Realisierung).

Restrisiken ​

Die Restrisiken (Nettorisiken) sind durch die zuständigen Risikoeigentümer zu akzeptieren. Dokumentieren Sie die Akzeptanz nachvollziehbar, z.B. in der Erklärung zum Nettorisiko. Die Restrisiken fließen in die Priorisierung der Umsetzung und in die Managementbewertung ein.

Elementare Gefährdungen im Überblick ​

IDGefährdungIDGefährdung
G 0.1FeuerG 0.25Ausfall von Geräten oder Systemen
G 0.2Ungünstige klimatische BedingungenG 0.26Fehlfunktion von Geräten oder Systemen
G 0.3WasserG 0.27Ressourcenmangel
G 0.4Verschmutzung, Staub, KorrosionG 0.28Software-Schwachstellen oder -Fehler
G 0.5NaturkatastrophenG 0.29Verstoß gegen Gesetze oder Regelungen
G 0.6Katastrophen im UmfeldG 0.30Unberechtigte Nutzung oder Administration von Geräten und Systemen
G 0.7Großereignisse im UmfeldG 0.31Fehlerhafte Nutzung oder Administration von Geräten und Systemen
G 0.8Ausfall oder Störung der StromversorgungG 0.32Missbrauch von Berechtigungen
G 0.9Ausfall oder Störung von KommunikationsnetzenG 0.33Personalausfall
G 0.10Ausfall oder Störung von VersorgungsnetzenG 0.34Anschlag
G 0.11Ausfall oder Störung von DienstleisternG 0.35Nötigung, Erpressung oder Korruption
G 0.12Elektromagnetische StörstrahlungG 0.36Identitätsdiebstahl
G 0.13Abfangen kompromittierender StrahlungG 0.37Abstreiten von Handlungen
G 0.14Ausspähen von Informationen (Spionage)G 0.38Missbrauch personenbezogener Daten
G 0.15AbhörenG 0.39Schadprogramme
G 0.16Diebstahl von Geräten, Datenträgern oder DokumentenG 0.40Verhinderung von Diensten (Denial of Service)
G 0.17Verlust von Geräten, Datenträgern oder DokumentenG 0.41Sabotage
G 0.18Fehlplanung oder fehlende AnpassungG 0.42Social Engineering
G 0.19Offenlegung schützenswerter InformationenG 0.43Einspielen von Nachrichten
G 0.20Informationen oder Produkte aus unzuverlässiger QuelleG 0.44Unbefugtes Eindringen in Räumlichkeiten
G 0.21Manipulation von Hard- oder SoftwareG 0.45Datenverlust
G 0.22Manipulation von InformationenG 0.46Integritätsverlust schützenswerter Informationen
G 0.23Unbefugtes Eindringen in IT-SystemeG 0.47Schädliche Seiteneffekte IT-gestützter Angriffe
G 0.24Zerstörung von Geräten oder Datenträgern