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Anforderungspaket erstellen ​

Wenn der Informationsverbund abgegrenzt, die Assets erfasst und den Zielobjektkategorien zugeordnet sind, stellen Sie das Anforderungspaket zusammen. Es enthält alle Anforderungen, die für den Informationsverbund mit seinen Geschäftsprozessen und Assets relevant sind, und ist Ausgangspunkt für die Realisierung.

Bestandteile des Anforderungspakets ​

Das Anforderungspaket setzt sich aus drei Arten von Anforderungen zusammen:

ArtKennzeichnung im KatalogModelliert auf
(1)Verbundweite Anforderungen der Methodik-Praktiken[Methodik], Kategorie „Verbundweite Anforderungen“Informationsverbund
(1)Anforderungen ohne Zielobjektkategorie aus organisatorischen und technischen Praktiken[Prozess:<Kürzel>], Führungsprozess-KategorienInformationsverbund (bzw. Führungsprozess)
(2)Anforderungen mit Zielobjektkategorie[<Zielobjektkategorie>]Zielobjekte der Kategorie
(3)Ergänzende Anforderungen – eigene Anforderungen, z.B. aus Compliance-Management oder Risikobetrachtung–je nach Bezug

Die Anforderungen (1) sind nach der Pilotierungsfassung verpflichtend aufzunehmen. Die Anforderungen (2) ergeben sich aus der Zuordnung der Assets zu den Zielobjektkategorien. Die ergänzenden Anforderungen (3) nehmen Sie bei Bedarf auf.

Katalogelemente anwenden ​

Bevor Sie Anforderungen in Ihrem Informationsverbund modellieren können, wenden Sie diese aus dem Katalog an, den Sie über das Menü aufrufen. Navigieren Sie hier zu den Anforderungen und Zielobjektkategorien, selektieren Sie die benötigten Elemente und klicken Sie anschließend auf Anwenden.

Kategorien mit ihren Anforderungen anwenden

Die Anforderungen einer Zielobjektkategorie sind als deren Teile abgebildet. Wenn Sie eine Kategorie aus dem Katalog anwenden, werden ihre Teile mit übernommen – also alle Anforderungen, die die Kategorie enthält, einschließlich derer aus den übergeordneten Kategorien. Am einfachsten wenden Sie alle Anforderungen und alle Zielobjektkategorien des Katalogs in einem Schritt an. Um gezielt die Anforderungen auszuwählen, die einer Kategorie selbst zugeordnet sind, filtern Sie nach dem Titel-Suffix, z.B. [Webbrowser] oder [Methodik].

Verbundweite Anforderungen ​

Die Anforderungen der Methodik-Praktiken Governance und Compliance, Strukturmodellierung, Umsetzung, Monitoring-Evaluation, Verbesserung und Risikomanagement definieren die Governance-, Steuerungs-, Kontroll- und Verbesserungsprozesse des ISMS. Sie werden ohne weitere Auswahl einmalig für den gesamten Informationsverbund modelliert. Ein individuelles Vorgehen ist nicht vorgesehen.

Modellieren Sie dazu die Zielobjektkategorie Verbundweite Anforderungen (99 Anforderungen) auf Ihren Informationsverbund:

  • Öffnen Sie den Informationsverbund.
  • Wählen Sie im Objektumfeld den Tab Bausteine bzw. Anforderungen, klicken Sie auf + und anschließend auf modellieren.
  • Wählen Sie im Dialog die Kategorie Verbundweite Anforderungen aus und speichern Sie.

Anforderungen ohne Zielobjektkategorie ​

Anforderungen organisatorischer und technischer Praktiken, denen keine Zielobjektkategorie zugewiesen ist, gelten wie die Methodik-Anforderungen einmalig im Informationsverbund. Der Katalog bündelt sie je Praktik in einer Kategorie mit der Abkürzung Prozess – den Führungsprozessen (z.B. „Berechtigungsmanagement“ mit allen [Prozess:BER]-Anforderungen, siehe Anforderungskatalog).

Modellieren Sie alle zwölf Führungsprozess-Kategorien auf Ihren Informationsverbund – genauso wie die verbundweiten Anforderungen.

Führungsprozesse mit Prozessverantwortlichen

In größeren Institutionen kann es sinnvoll sein, jeden Führungsprozess als eigenen Geschäftsprozess (Prozess-Art: unterstützender Prozess) anzulegen, die federführend zuständige Rolle als Verantwortliche Person (Prozess-Owner) zu hinterlegen und die Führungsprozess-Kategorie auf diesem Prozess zu modellieren. So ist die Zuständigkeit für jede Anforderung unmittelbar erkennbar.

Stand vor der Pilotierung

Nach dem Leitfaden (März 2026) wurde für jede Anforderung ohne Zielobjektkategorie entschieden, ob sie für den betrachteten Geschäftsprozess relevant ist; nicht relevante Anforderungen wurden mit Begründung gestrichen. Nach der Pilotierungsfassung sind diese Anforderungen verpflichtend aufzunehmen. Ist eine Anforderung im Informationsverbund funktional nicht erfüllbar, setzen Sie in der Realisierung den Status nicht anwendbar und dokumentieren die Begründung.

Zielobjektkategorien modellieren ​

Nun werden die Anforderungen mit Zielobjektbezug auf die Assets modelliert. Dabei können Sie auf zwei verschiedene Arten vorgehen:

Aus Sicht des Zielobjektes ​

Weisen Sie einem Zielobjekt die zugeordneten Zielobjektkategorien zu:

  • Öffnen Sie ein Zielobjekt.
  • Wählen Sie im Objektumfeld den Tab Bausteine bzw. Anforderungen, klicken Sie auf + und anschließend auf modellieren.
  • Es öffnet sich ein Dialog mit allen in Ihrer Unit vorhandenen Kategorien und Anforderungen. Über die Suche können Sie gezielt nach Name und/oder Abkürzung suchen, z.B. nach Zielobjektkategorie, um nur die Kategorien des Katalogs anzuzeigen.
  • Wählen Sie nur die direkt zugeordnete Kategorie aus, z.B. „Webanwendungen“, und speichern Sie den Dialog. Die Anforderungen der übergeordneten Kategorien sind darin bereits enthalten (siehe Vererbung).

Übergeordnete Kategorien nicht zusätzlich modellieren

Modellieren Sie die übergeordneten Kategorien (z.B. „Webserver“ und „Anwendungen“) nicht zusätzlich. Ihre Anforderungen sind bereits in der direkt zugeordneten Kategorie enthalten; zusätzliche Anforderungen erhält das Zielobjekt dadurch nicht, da eine Anforderung je Zielobjekt nur einmal modelliert wird.

Aus Sicht der Zielobjektkategorie ​

Weisen Sie einer Zielobjektkategorie die passenden Zielobjekte zu:

  • Öffnen Sie die Zielobjektkategorie, der ein oder mehrere Zielobjekte zugeordnet werden sollen.
  • Wählen Sie im Objektumfeld den Tab Zielobjekte, klicken Sie auf + und wählen Sie den Zielobjekttyp Asset.
  • Wählen Sie im Dialog die Zielobjekte aus, die mit der Kategorie modelliert werden sollen, und speichern Sie.

Nachdem Sie den Dialog gespeichert haben, werden die modellierte Kategorie und ihre Anforderungen im Zielobjekt angezeigt. Neben den Anforderungen enthält die Liste einen Eintrag für die modellierte Kategorie selbst: Ein mit „Webanwendungen“ modelliertes Zielobjekt zeigt 92 Einträge – die 91 Anforderungen der Kategorie und die Kategorie „Webanwendungen“.

Anforderungen mit zwei Zielobjektkategorien ​

Einigen Anforderungen sind zwei Zielobjektkategorien zugeordnet (z.B. [Nutzende] [Endgeräte]). Nach dem Leitfaden wird eine solche Anforderung auf die zuerst genannte Kategorie modelliert, wenn das betreffende Asset von einem Asset der zweitgenannten Kategorie abhängt.

Da die Anforderung in verinice Teil beider Kategorien und aller ihrer untergeordneten Kategorien ist, erscheint sie an den Assets all dieser Kategorien – z.B. SENS.7.12 „Öffentliche WLANs“ [Nutzende] [Endgeräte] auch an Assets der Kategorie „Administrierende“. Bearbeiten Sie sie beim Asset der erstgenannten Kategorie (bzw. einer ihrer Unterkategorien); bei Assets der zweitgenannten Kategorie und ihrer Unterkategorien können Sie im Rahmen der Konsolidierung den Status nicht anwendbar mit Verweis auf das Asset setzen, an dem die Anforderung umgesetzt wird.

Konsolidierung und Redundanzprüfung ​

Wirken Anforderungen über mehrere Kategorien identisch auf ein Asset, werden sie nur einmal geführt – jedoch mit Bezug zu jedem betroffenen Asset. Unterschiedliche assetspezifische Umsetzungen einer Anforderung bleiben erhalten. In verinice ist eine Anforderung je Zielobjekt immer nur einmal modelliert, auch wenn sie über mehrere Kategorien zugeordnet wurde. Die Umsetzung dokumentieren Sie je Zielobjekt.

Ergänzung von Anforderungen ​

Kann ein Asset mit den vorhandenen Anforderungen nicht hinreichend abgebildet werden, oder ergeben sich Verpflichtungen aus dem Compliance-Management oder der Analyse der interessierten Parteien, ergänzen Sie eigene Anforderungen:

  1. Eigene Anforderung entwickeln, z.B. im Rahmen einer Risikobetrachtung. Begründen Sie nachvollziehbar, warum die Anforderungen des Katalogs nicht ausreichen.
  2. Anforderung in die Satzschablone des Grundschutz++ bringen: Praktik – Modalverb – Ergebnis – Handlungswort, z.B. „Konfiguration MUSS … aktivieren.“
  3. Anforderungspaket um die neue Anforderung erweitern.

Navigieren Sie dazu im Menü zu Maßnahmen > Anforderungen und erstellen Sie über + eine neue Anforderung. Befüllen Sie die Felder analog zu den Katalog-Anforderungen (Anforderung, Modalverb, Sicherheitsniveau, Praktik, Schutzziele). Anschließend modellieren Sie die Anforderung auf das betroffene Zielobjekt oder fügen sie über das Objektumfeld als Teil einer eigenen Kategorie hinzu.

Ergänzende Anforderungen und Risiko

Auch neu hinzugefügte Anforderungen müssen auf ein Risiko einzahlen. Zahlt die Anforderung auf ein Schadensszenario ein, ist eine Risikoanalyse durchzuführen. Steht sie in Abhängigkeit zu einer Anforderung des BSI, ist diese Abhängigkeit in der Risikobetrachtung zu betrachten. Zahlt sie auf kein Schadensszenario ein, ist dies kurz darzulegen.

Sicherheitsniveau ​

Das Sicherheitsniveau ist für jede Anforderung im Katalog festgelegt: Normal-SdT (Stand der Technik) oder Erhöht. Durch die Anforderungsanalyse für Geschäftsprozesse mit normalem Schutzbedarf entsteht ein Anforderungspaket mit dem vorgegebenen Sicherheitsniveau.

Sie können die initiale Einstellung überprüfen und bei Bedarf – auch für einzelne Assets – ändern:

  • Eine Erhöhung von normal-SdT auf erhöht wirkt sich lediglich auf die Reihenfolge der Umsetzung aus.
  • Eine Absenkung von erhöht auf normal-SdT ist mit einer Risikobetrachtung zu begründen.

Gestaltungsentscheidungen ​

Bevor Sie mit der Umsetzung beginnen, treffen Sie die zentralen Gestaltungsentscheidungen.

Parameter sind variabel gestaltbare Stellen innerhalb einer Anforderung, z.B. „regelmäßig“ oder die Angabe eines Standards. Im Feld Anforderung sind sie als Platzhalter gekennzeichnet, z.B. {{ insert: param, gc.1.1-prm1 }}. Legen Sie die Werte nach der Erstellung des Anforderungspakets fest und dokumentieren Sie sie – z.B. in der Umsetzungsbeschreibung der Anforderung. Fordern unterschiedliche Vorgaben unterschiedliche Werte, wählen Sie die sicherste Einstellung oder betrachten Sie die Anforderung je Asset separat.

Führende Zuständigkeiten: Jede Praktik enthält im Thema „Grundlagen“ eine Anforderung zur Zuweisung der Aufgaben (z.B. BER.1.1.2 „Zuweisung der Aufgaben“). Mit diesen Parametern legen Sie fest, welche Rolle die führende Zuständigkeit für die Praktik erhält. Hinterlegen Sie die Rolle als Verantwortliche Person bei der Umsetzung der Anforderungen.

Anforderungspaket aus Profil ​

Das Profil Grundschutz++-Profil enthält ein vollständig modelliertes Beispiel-Anforderungspaket:

  • Informationsverbund mit der Kategorie Verbundweite Anforderungen und den zwölf Führungsprozessen – also allen Anforderungen ohne Zielobjektbezug (1).
  • 39 Beispiel-Zielobjekte, eines je Zielobjektkategorie und jeweils wie die Kategorie benannt (z.B. „Webanwendungen“). Jedes Zielobjekt ist nur mit seiner eigenen Kategorie modelliert und trägt damit alle Anforderungen der Kategorie einschließlich der übergeordneten Kategorien (2). Die Zielobjekte sind Mitglieder des Informationsverbunds und entlang der Hierarchie der Zielobjektkategorien als Teile ineinander gegliedert, z.B. „Webanwendungen“ als Teil von „Webserver“ und dieses als Teil von „Anwendungen“.

Der Umsetzungsstatus aller Anforderungen ist unbekannt. Geschäftsprozesse, Risiken und elementare Gefährdungen enthält das Profil nicht; die elementaren Gefährdungen wenden Sie bei Bedarf aus dem Katalog an (siehe Risikobetrachtung).

Sie können die Beispiel-Zielobjekte inklusive der modellierten Anforderungen modifizieren, kopieren oder löschen, um Ihre Institution abzubilden. Sie können das Profil aus der Unitverwaltung heraus beim Erstellen einer neuen Unit anwenden oder auf eine bereits bestehende Unit anwenden. Inhalt und Aufbau des Profils beschreibt die Seite Profile in der Domäne Grundschutz++.

Das Anwenden eines Profiles fügt einer bestehenden Unit eine Vielzahl zusätzlicher Objekte hinzu! Wir empfehlen die Anwendung in einer neuen Unit zu prüfen.

Ergebnis ​

Das Anforderungspaket besteht nun aus den verbundweiten Anforderungen und den Anforderungen der Führungsprozesse am Informationsverbund (1), den Anforderungen aus den Zielobjektkategorien an den Zielobjekten (2) und Ihren ergänzenden Anforderungen (3). Im nächsten Schritt ermitteln Sie den Umsetzungsstatus.