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Methodik Grundschutz++ im Überblick ​

Sicherheitsprozess nach Grundschutz++ ​

Die Methodik Grundschutz++ beschreibt den Aufbau und die Weiterentwicklung eines Informationssicherheitsmanagementsystems (ISMS) in fünf Prozessschritten. Die Schritte bauen aufeinander auf, werden zyklisch durchlaufen und können nach dem ersten Durchlauf auch parallel bearbeitet werden. Jeder Prozessschritt entspricht einer ISMS-Praktik des Anforderungskatalogs:

ProzessschrittPDCA-PhaseISMS-PraktikErgebnis
1 – Erhebung und PlanungPlanGovernance und Compliance (GC)Kontext, Anwendungsbereich, Geschäftsprozesse, Schutzbedarf, Leitlinie, Sicherheitsorganisation
2 – AnforderungsanalysePlanStrukturmodellierung (STM)Informationsverbund, Assets, Anforderungspaket
3 – RealisierungDoUmsetzung (UMS)Umsetzungsstatus, Umsetzungsplan
4 – ÜberwachungCheckMonitoring-Evaluation (PERF)Leistungsbewertung, Audits, Managementbewertung
5 – kontinuierliche VerbesserungActVerbesserung (VRB)Korrektur- und Verbesserungsplan

Querschnittlich wird an den geforderten Stellen eine Risikobetrachtung durchgeführt (Praktik Risikomanagement, RISK).

Mit einem Geschäftsprozess beginnen

Bei der erstmaligen Einführung empfiehlt die Methodik, den PDCA-Zyklus zunächst mit einem Geschäftsprozess zu durchlaufen – nach der Pilotierungsfassung mit dem wichtigsten Geschäftsprozess aus der höchsten Schutzbedarfskategorie. Die Auswahl trifft die Institutionsleitung. Weitere Geschäftsprozesse werden in den folgenden Zyklen oder parallel ergänzt.

Unterschiede zum IT-Grundschutz ​

ThemaIT-Grundschutz (BSI 200-x)Grundschutz++
AnforderungsquelleIT-Grundschutz-Kompendium mit BausteinenMaschinenlesbarer Anforderungskatalog (OSCAL) der Stand-der-Technik-Bibliothek
GliederungBausteinschichten und Bausteine20 Praktiken (Tätigkeitsbereiche mit zuständigen Rollen) und ein Themenfeld je Anforderung
Zuordnung zu ZielobjektenModellierung von Bausteinen auf ZielobjekteZuordnung von Assets zu Zielobjektkategorien; Anforderungen der Kategorie und ihrer übergeordneten Kategorien gelten für das Asset – im Katalog enthält jede Kategorie bereits die Anforderungen ihrer übergeordneten Kategorien
VorgehensweisenBasis-, Standard- und Kern-AbsicherungEin Vorgehen; jede Anforderung trägt ein Sicherheitsniveau (normal-SdT oder erhöht)
VerbindlichkeitBasis-, Standard- und Anforderungen bei erhöhtem SchutzbedarfModalverb MUSS, SOLLTE oder KANN je Anforderung
Schutzbedarfskategoriennormal, hoch, sehr hochnormal und hoch; eigene Kategorien sind zulässig, wenn sie darauf abgebildet werden
Schutzbedarf festgestellt fürGeschäftsprozesse und alle Zielobjekte (Vererbung)Geschäftsprozesse (und die darin verarbeiteten Informationen)
IT-Grundschutz-CheckUmsetzungsstatus ja, teilweise, nein, entbehrlichErmittlung des Umsetzungsstatus: erfüllt, nicht erfüllt, nicht anwendbar
RisikoanalyseBSI-Standard 200-3 mit elementaren Gefährdungen und KreuzreferenztabellenRisikobetrachtung mit der GS++-Methodik oder einer frei gewählten Methode, die festgelegte Mindestkriterien erfüllt; jede Anforderung nennt die zugehörigen elementaren Gefährdungen (G 0.x) direkt
ErgebnisSicherheitskonzept je InformationsverbundAnforderungspaket je Informationsverbund und Umsetzungsplan

Änderungen durch die Pilotierung ​

Die Pilotierungsfassung (Version 0.2, Juli 2026) weicht in einigen Punkten vom Leitfaden (März 2026) ab. Die für die Arbeit in verinice wichtigsten Unterschiede:

ThemaLeitfaden (März 2026)Pilotierungsfassung 0.2 (Juli 2026)
Schutzbedarf„Informationssicherheitseinstufung“: Schutzbedarf der Informationen, übertragen auf die Geschäftsprozesse„Schutzbedarfsfeststellung“ je Geschäftsprozess mit den Kategorien normal und hoch; Hilfestellung über Schadensszenarien für „hoch“
Asset-DokumentationEinheitliche Mindestangaben je AssetUmfang abhängig vom Schutzbedarf: bei hohem Schutzbedarf wesentliche Abhängigkeiten dokumentieren, bei normalem Schutzbedarf mindestens die Abhängigkeiten zwischen Anwendungen und IT-Systemen
Anforderungen ohne ZielobjektkategorieRelevanzentscheidung je Geschäftsprozess; nicht relevante Anforderungen werden mit Begründung gestrichenWerden verpflichtend in das Anforderungspaket aufgenommen
UmsetzungsstatusNur „umgesetzt“ (ja) oder „nicht umgesetzt“ (nein)„erfüllt“ (ja), „nicht erfüllt“ (nein) oder „nicht anwendbar“ (mit Begründung)
PriorisierungNach Risiko, Aufwand, Abhängigkeiten, Quick WinsZusätzlich: Anforderungen der Elternknoten zuerst erfüllen
RisikomethodikVerweis auf ein separates Dokument zur RisikobetrachtungMindestkriterien für eine selbst gewählte Risikomethodik (Anhang 3)
Blaupausen–Auswahl von Blaupausen als eigener Schritt vorgesehen (Inhalt noch offen)
Hilfsmittel–Definitionen der Zielobjektkategorien (Anhang 1) und vereinfachte Geschäftsprozessanalyse (Anhang 2)

Grundlegende Begriffe ​

  • Anforderung: Beschreibt, was getan werden muss, um ein bestimmtes Niveau der Informationssicherheit zu erreichen. Das Modalverb gibt den Pflichtcharakter an (MUSS, SOLLTE, KANN).
  • Anforderungspaket: Die für einen Informationsverbund relevanten Anforderungen aus dem Katalog, ergänzt um eigene Anforderungen.
  • Asset: Alle Werte, Ressourcen oder Komponenten, die für die Institution einen Wert besitzen und für die betrachteten Geschäftsprozesse benötigt werden.
  • Anwendungsbereich (Geltungsbereich, Scope): Formaler und organisatorischer Umfang, in dem das ISMS gilt. Er kann einen oder mehrere Informationsverbünde enthalten.
  • Informationsverbund: Inhaltlich-technische Abbildung des Anwendungsbereichs; Gesamtheit der infrastrukturellen, organisatorischen, personellen und technischen Assets.
  • Maßnahme: Beschreibt, wie eine Anforderung erfüllt wird.
  • Praktik: Bündelt Anforderungen nach Tätigkeiten, deren Zuständigkeit bestimmten Rollen zugeordnet werden kann. Jede Anforderung gehört zu genau einer Praktik.
  • Schutzbedarf: Wie stark ein Geschäftsprozess hinsichtlich Vertraulichkeit, Integrität und Verfügbarkeit geschützt werden muss (normal oder hoch).
  • Sicherheitsniveau: Erfüllungsgrad von Sicherheitszielen; im Katalog ist für jede Anforderung „normal (Stand der Technik)“ oder „erhöht“ festgelegt.
  • Zielobjektkategorie: Standardisierte, hierarchisch geordnete Klasse von Assets, der im Katalog Anforderungen zugeordnet sind. Im Katalog enthält jede Zielobjektkategorie auch die Anforderungen ihrer übergeordneten Kategorien.