Anforderungskatalog
Der Katalog der Domäne Grundschutz++ enthält 1.000 Anforderungen, 52 Zielobjektkategorien und 47 elementare Gefährdungen. Er wird aus dem OSCAL-Katalog der Stand-der-Technik-Bibliothek des BSI erzeugt und über den Katalog in Ihre Unit übernommen.
Praktiken
Praktiken bündeln Anforderungen nach Tätigkeitsbereichen, deren Zuständigkeit bestimmten Rollen zugeordnet werden kann. Jede Anforderung gehört zu genau einer Praktik. Das Kürzel der Praktik ist der Anfang der Abkürzung jeder Anforderung (z.B. BER.4.1).
| Kürzel | Praktik | Schwerpunkt | Anforderungen |
|---|---|---|---|
| GC | Governance und Compliance | Methodik | 35 |
| STM | Strukturmodellierung | Methodik | 15 |
| UMS | Umsetzung | Methodik | 11 |
| PERF | Monitoring-Evaluation | Methodik | 24 |
| VRB | Verbesserung | Methodik | 10 |
| RISK | Risikomanagement | Methodik | 4 |
| ASST | Informationen und Assets | Organisatorisch | 58 |
| PERS | Personal | Organisatorisch | 30 |
| BES | Beschaffungsmanagement | Organisatorisch | 109 |
| DLS | Dienstleistersteuerung | Organisatorisch | 18 |
| TEST | Änderungen und Tests | Organisatorisch | 36 |
| GEB | Gebäudemanagement | Organisatorisch | 75 |
| SENS | Sensibilisierung | Organisatorisch | 87 |
| NOT | Notfallplanung | Organisatorisch | 37 |
| ARCH | Architektur | Technisch | 63 |
| BER | Berechtigung | Technisch | 92 |
| DET | Detektion | Technisch | 82 |
| REA | Sicherheitsvorfallsbehandlung | Technisch | 23 |
| KONF | Konfiguration | Technisch | 157 |
| DEV | Entwicklung | Technisch | 34 |
Die sechs Praktiken mit dem Schwerpunkt Methodik bilden das Managementsystem ab (PDCA-Zyklus und Risikomanagement). Die übrigen organisatorischen und technischen Praktiken enthalten die fachlichen Sicherheitsanforderungen.
Zuständigkeit über die Praktik
Jede Praktik enthält im Thema „Grundlagen“ eine Anforderung zur Zuweisung der Aufgaben an Rollen. Legen Sie dort fest, welche Rolle die führende Zuständigkeit für die Praktik übernimmt – im Anforderungspaket ist die Zuständigkeit für jede Anforderung dann an ihrer Praktik erkennbar (siehe Gestaltungsentscheidungen).
Aufbau einer Anforderung
Anforderungen folgen einer festen Satzschablone: Praktik – Modalverb – Ergebnis – Handlungswort, z.B. „Berechtigung SOLLTE die Vergabe von Berechtigungen nach dem Prinzip der geringsten Berechtigungen einschränken.“ Im Formular einer Anforderung finden Sie folgende Felder:
| Feld | Bedeutung |
|---|---|
| Anforderung | Anforderungstext nach der Satzschablone. Variable Stellen sind als Parameter gekennzeichnet (siehe Gestaltungsentscheidungen). |
| Modalverb | Muss, Sollte oder Kann – der Pflichtcharakter der Anforderung. |
| Sicherheitsniveau | Normal-SdT (773 Anforderungen) oder Erhöht (227 Anforderungen). |
| Praktik | Die Praktik, zu der die Anforderung gehört. |
| Thema | Untergliederung innerhalb der Praktik, z.B. „Grundlagen“, „Datensicherung“ oder „Zugangskonten“. |
| Handlungswort | Das Verb der Satzschablone, z.B. verankern, dokumentieren, einschränken. Über das Handlungswort lassen sich zusammengehörige Anforderungen finden. |
| Stufe | Aufwand der Umsetzung von 0 bis 5: 0 = nicht bewertet, da in jedem Fall zwingend; 1 = Quick Win, am selben Tag umsetzbar; 2 = innerhalb einer Woche mit eigenen Mitteln; 3 = mehrere Wochen bis Monate; 4 = längerfristig, Expertenwissen erforderlich; 5 = aufwändige, komplexe Maßnahmen. |
| Zielobjektkategorie | Die Zielobjektkategorie(n), für die die Anforderung gilt. Leer bei Anforderungen ohne Zielobjektbezug. |
| Vertraulichkeit, Integrität, Verfügbarkeit, Authentizität | Wirkung auf das Schutzziel: 0 = keine oder vernachlässigbare Wirkung, 1 = wirkt auf das Schutzziel hin, 2 = das Schutzziel steht im Zentrum der Anforderung. |
| BSI G0-Gefährdungen | Die elementaren Gefährdungen, denen die Anforderung entgegenwirkt, z.B. „G 0.36, G 0.30, G 0.32“. |
| Dokumentation | Empfohlenes Dokument als Nachweis, z.B. „ISMS-Regelwerk“ oder „Inventar Berechtigungen“. |
| Hinweis | Erläuterungen und Umsetzungshinweise zur Anforderung. |
| Tags | Schlagwörter, z.B. „Lieferketten“, „Cryptography“ oder „Insider Threat“. |
| Quellkatalog | Herkunft der Anforderung: BSI-Stand-der-Technik-Kernel-G0, BSI-Methodik-Grundschutz-plus-plus oder BSI-Anforderungen-zum-Risikomanagement. |
Kennzeichnung im Titel
Damit Sie Anforderungen im Katalog und in Listen nach ihrer Zuordnung filtern können, trägt jeder Anforderungstitel ein Suffix in eckigen Klammern:
| Suffix | Bedeutung | Beispiel |
|---|---|---|
[<Zielobjektkategorie>] | Anforderung ist dieser Zielobjektkategorie zugeordnet. Bei mehreren Kategorien folgt je Kategorie ein eigenes Klammerpaar in der Reihenfolge des Katalogs. | … [Anwendungen], … [Nutzende] [Endgeräte] |
[Methodik] | Verbundweite Anforderung einer Methodik-Praktik ohne Zielobjektkategorie | Errichtung und Aufrechterhaltung eines ISMS [Methodik] |
[Prozess:<Kürzel>] | Anforderung einer organisatorischen oder technischen Praktik ohne Zielobjektkategorie; sie gehört zum Führungsprozess dieser Praktik | Prinzip der geringsten Berechtigungen [Prozess:BER] |
Geben Sie z.B. [Webbrowser] oder [Prozess:DET] in die Suche ein, um alle Anforderungen zu finden, die einer Kategorie selbst bzw. einem Führungsprozess zugeordnet sind.
Titel-Suffix und Teile einer Zielobjektkategorie
Das Suffix nennt nur die Kategorien, denen die Anforderung selbst zugeordnet ist. Eine Zielobjektkategorie enthält unter Teile zusätzlich die Anforderungen aller übergeordneten Kategorien (siehe Vererbung). Die Suche nach [Webbrowser] liefert deshalb 14 Anforderungen, die Kategorie „Webbrowser“ enthält dagegen 95 – einschließlich der 81 Anforderungen mit dem Suffix [Anwendungen].
Beziehungen zwischen Anforderungen
- Unteranforderungen: Übergeordnete Anforderungen werden durch Unteranforderungen konkretisiert, z.B.
BER.4.1„Prinzip der geringsten Berechtigungen“ durchBER.4.1.1„Rollenbasierte Berechtigung“ undBER.4.1.2„JIT‑/JEA‑Berechtigungen“. Die Zusammengehörigkeit erkennen Sie an der Abkürzung: Die Abkürzung der Unteranforderung beginnt mit der Abkürzung der übergeordneten Anforderung. Im Katalog ist jede Unteranforderung eine eigenständige Anforderung mit eigener Zuordnung; unter Teile einer Anforderung sind keine Unteranforderungen aufgeführt. Eine Unteranforderung kann deshalb einer anderen Zielobjektkategorie angehören als die übergeordnete Anforderung, z.B.BES.2.1„Erfassung des Bedarfes“[Einkäufe]undBES.2.1.5„Lizenzierung“[IT-Produkte]. Sie gilt dann nur für die Zielobjekte ihrer eigenen Kategorie. - Abhängigkeit: Die Anforderung setzt eine andere Anforderung voraus (59 Anforderungen mit insgesamt 67 Abhängigkeiten). Nach dem Leitfaden gilt eine Anforderung erst dann als umgesetzt, wenn auch alle Anforderungen umgesetzt sind, von denen sie abhängt.
- Verwandt: Thematisch verwandte Anforderungen (171 Anforderungen mit insgesamt 210 Verweisen).
Abhängigkeiten und verwandte Anforderungen finden Sie im Objektumfeld der Anforderung unter Links.
Zielobjektkategorien und Sammelkategorien
Der Katalog enthält drei Arten von Zielobjektkategorien, die Sie an der Abkürzung unterscheiden:
| Abkürzung | Art | Anzahl | Enthaltene Anforderungen |
|---|---|---|---|
Zielobjektkategorie | Zielobjektkategorien des Katalogs; jede enthält auch die Anforderungen der übergeordneten Kategorien | 39 | 636 Anforderungen mit Zielobjektbezug (39 davon gehören zu zwei Kategorien) |
Methodik | Sammelkategorie „Verbundweite Anforderungen“ | 1 | 99 Anforderungen der Methodik-Praktiken |
Prozess | Führungsprozesse | 12 | 265 Anforderungen organisatorischer und technischer Praktiken ohne Zielobjektbezug |
Die Zielobjektkategorien mit Hierarchie und Definitionen beschreibt der Abschnitt Zielobjektkategorien. Die Sammelkategorien sind nicht Teil der BSI-Methodik, sondern bündeln Anforderungen ohne Zielobjektbezug, damit Sie sie gesammelt anwenden können:
- Verbundweite Anforderungen: Alle Anforderungen der Methodik-Praktiken GC, STM, UMS, PERF, VRB und RISK. Sie gelten einmalig für den gesamten Informationsverbund.
- Führungsprozesse: Je Praktik ein Prozess, der deren Anforderungen ohne Zielobjektbezug bündelt:
| Führungsprozess | Praktik | Anforderungen |
|---|---|---|
| Berechtigungsmanagement | BER | 68 |
| Detektion | DET | 43 |
| Änderungen und Tests | TEST | 35 |
| Notfallmanagement | NOT | 25 |
| Sicherheitsvorfallsbehandlung | REA | 23 |
| Personal | PERS | 20 |
| Informations- und Asset-Management | ASST | 17 |
| Entwicklung | DEV | 9 |
| Konfigurationsmanagement | KONF | 8 |
| Architektur | ARCH | 7 |
| Beschaffung | BES | 5 |
| Sensibilisierung und Schulung | SENS | 5 |
Die Praktiken GEB (Gebäudemanagement) und DLS (Dienstleistersteuerung) haben keinen Führungsprozess, da alle ihre Anforderungen einer Zielobjektkategorie zugeordnet sind.